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Unter Gentechnik wird gewöhnlich der direkte Eingriff in die Keimbahn durch molekularbiologische Techniken verstanden; insofern wird das Wort in diesem Zusammenhang missbraucht. Ist damit gemeint, dass man durch Eurythmie ebenfalls direkt in die Keimbahn eingreift, so ist der Vorwurf verfehlt, da weder der Intention nach noch tatsächlich ein solcher direkter Eingriff vorliegt.

Mit Gentechnik wird durch materielle, das heisst chemisch-physikalische Massnahmen eine Veränderung erzwungen, die aus wesensfremden Gesichtspunkten heraus geleitet wird. Mit der Eurythmie wird durch einen konkreten Bezug auf das Pflanzenwesen eine immaterielle Anregung aktiviert, mit der möglichen Folge, dass die Pflanze sich genetisch in die neue Gestaltausprägung stabilisiert. Mit anderen Worten: Unseres Erachtens ist nicht auszuschliessen (sogar zu erwarten), dass die eurythmische Begleitung/Gestaltung/Modulation von organisch-pflanzlichen Prozessen vermöge der Reaktion des Gesamtorganismus Auswirkungen bis in die genetische Grundlage hinein haben kann (z. B. durch adaptive Mutationen, Vererbung erworbener Eigenschaften). In diesem Falle handelt es sich aber nicht um direkte Eingriffe in die genetischen Grundlagen, sondern um eine durch Eurythmie veranlasste, jedoch durch das Organismusprinzip selbst bewirkte und gestaltete Veränderungen im Sinne einer gezielten Einstellung auf eine neu geartete Umgebung. Vom Gesichtspunkt der konventionellen Genetik aus wird allerdings die Möglichkeit solcher Einflüsse bisher kategorisch ausgeschlossen; neuere empirische Untersuchungen, insbesondere auf dem neuen Gebiet der Epigenetik, stellen diese theoretischen Vorbehalte in Frage. Es scheint bereits bewiesen zu sein, dass Umwelteinflüsse genetische Veränderungen verursachen können.[1] Falls ein solcher Effekt einmal nachweisbar wird, käme dies einem Durchbruch in der Entwicklungs- und Evolutionsbiologie nahe.
Was konkret durch die eurythmische Intervention angestrebt wird, ist die Ermöglichung eines Gestaltungs-Austausch zwischen Pflanzenwesen, Menschenwesen und allgemeinen Gestaltungskräften (Sprachlaute, Tierkreiskräfte, Planetenkräfte) zur Ermöglichung neuer Entwicklungsschritte, die für alle Beteiligten fruchtbar sein sollten. Es geht also nicht in erster Linie um einen menschlich-persönlichen Nutzen, sondern um die Initiierung einer neuen Form von Zusammenarbeit. Wenn daraus konkret verwendbare Resultate für die Ernährung und Erhaltung/Heilung der menschlichen Organisation entspringen, umso besser. Das ist nicht unser primäres Ziel, sondern eine mögliche Folge unserer Bemühungen.

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[1] Siehe dazu Johannes Wirz: Nicht Baukasten, sondern Netzwerk – die Idee des Organismus in Genetik und Epigenetik, in «Elemente der Naturwissenschaft» 2008, Nr. 88, S. 5–21.